Archiv für April 2007

Im “Brainpunkt”: Lernen. Hirn? Gene? Herz!

April 21, 2007

synapse / flickrIm Brainpunkt, Hirnforschung und Lernen.
Gestern konnte ich an diesem spannenden “Event” in der Wiener Stadthalle teilnehmen.

DDr. Manfred Spitzer und Dr. Markus Hengstschläger haben mich mit ihren Ausführungen äußerst beeindruckt.

Neue Lehrerrollen, neue Lernarrangements, menschliche, soziale und empathisch geprägte Lernwelten, die Leidenschaft und Begeisterung am Fach vermitteln und diese im Lernenden wecken…. all das kann nicht oft genug und in möglichst vielen Varianten an uns Lehrende herangetragen werden.
Werden diese Botschaften aber alle unsere Kollegen erreichen, und sind sie so überezeugend, dass sie - was mit etwas Kreativität durchaus möglich ist - trotz widriger Rahmenbedingungen umgesetzt werden?

Ein Wermuthstropfen für mich als e-Lehrerin und e-Trainerin:
Arbeiten mit neuen Medien im Unterreicht heißt nicht: Powerpoint und planloses Informationsuchen im Netz. Schon garn nicht mit jungen Schüler/innen.

Schade dass Prof. Spitzer wahrscheinlich nie erlebt hat

  • wie in kollaborativen Foren oder WIKIs plötzlich Schüler/innen, die zuvor im reellen Unterricht ´kaum zu Wort kamen, plötzlich erwachen und argumentieren lernen,
  • wie sie es genießen, ohne Zeitdruck überlegen zu können. Plötzlich Antworten und Feedack zu bekommen und von Mitschüler/innen ernst genommen zu werden,

Schade dass er vielleicht nicht weiß,

  • dass Social Software Kinder (!!!) weltweit vernetzt und sie motiviert, sich kreativ zu äußern (Schreiben, Fotos, Videos, Musik…).
  • dass Schüler/innen mit besonderen Bedürfnissen ohne Unterschied mit Kolleg/innen irgendwo in einem anderen Dorf, einer anderen Stadt, einer anderen Schule, einem andere Land in Kontakt treten und gemeinsam arbeiten, kommunizieren, spielen?

Schade,

  • dass er offensichtlich nie den Unterschied zwischen einer “Maturabeichte” und einer Maturapräsentation (mit Powerpoint, Tafel oder Flipchart…) gesehen hat.
  • dass er ein Werkzeug für schlechte Produkte verantwortlich macht,
  • dass er einen Unterschied zwischen Oberheadfolien und Powerpointfolien sieht (warum? Urheberrecht vielleicht?)
  • dass seine Ausführungen über Powerpoint bei dieser Veranstaltung durch ein nachfolgendes Powerpoint Karaoke noch mehr an Gewicht bekamen und sich so gesehen
    • gut für den Verkauf des Buches “Vorsicht Bildschirm” in der Pause,
    • aber schlecht auf manche/n Lehrer/in, der/die nie gelernt hat, didaktisch richtig mit den Neuen Medien umzugehen, ausgewirkt hat.
      Jetzt wurde er/ sie in der Ablehnung, sich damit einmal wirklich auseinander zu setzen, bestärkt.

Aber was kümmert das die jugendlichen “digital immigrants” : sie spielen trotzdem World of Warcraft, können plötzlich besser Englisch als …. andere , können Projekte leiten und organisieren, ohne es „gelernt“ zu haben, haben sich mit Zeitzeugen übers Netz live Informationen geholt, die der Geschichtelehrer nicht kennt (was mach ma jetzt?), haben im Team die Matheaufgaben erledigt (und einen Mathestudenten um Hilfe gebeten, der grad online ist… der Lehrer erklärt leider eher schlecht…), kommunizieren online und im reellen Leben genauso gerne… und in Del.cio.us, Youtube findet sich….. nein, alles verraten wir auch nicht!!!

Lernen kann auch Spaß machen…. gemeinsam in der Klasse mit dem Lehrer - die Vortragenden der gestrigen Veranstaltung sind sich da auch einig - aber auch gemeinsam online, oder auch mal alleine….

Freude, positive Verstärkung, Stärken aufzeigen und nicht immer nach Schwächen suchen, Emotionen nutzen um Lernmotivation zu erzeugen, persönliche Anteilnahme und Interesse am Menschen, Visionen haben, Träume trotzt Widerständen verwirklichen…

Hirn, Gene…
Was macht uns leichter Lernen: die richtige Stimulation unseres Hirnes? Unsere - passenden - Gene?
Hirn und Gene? Hirn oder Gene? Ich mach er mir leicht, um hier ein Ende zu finden und sage: HERZ.

E-Portfolio oder “Zeige, was du kannst!”

April 20, 2007

exam..und die wichtigste Frage beim Selbstfeedback für die Schüler wäre: “Welche Frage sollte gestellt werden, damit du zeigen kannst, was du geleistet hast und besonders gut kannst?”,

frei zitiert nach Thomas Häcker (Luzern). Er hat mich unter den Vortragenden beim interaktiven E-Portfolioforum in Salzburg im Rahmen der 3. internationalen Edumedia Tagung am 16. April 2007 besonders nachhaltig beeindruckt.

Bildungspolitische Ziele (Lissabon Agenda, Bologna Prozess u.a.) und individuelle Interessen von Lehrenden und Lernenden spiegeln sich in der weltweiten Auseinandersetzung mit E-Portfolio wider.

E-Portfolio Austria bemüht sich, diese Instrumente in Bildung, Wirtschaft und Öffentlichkeite bekannt zu machen. Im oben erwähnten Expertengforum präsentierten und diskutierten Fachleute aus dem universitären Bereich, Lehrerausbildung und dem Ministerium (bm:ukk).

Um die Beiträge entwickelte sich eine rege Diskussion. Der E-Portfolioprozess als Lernmethode oder E-Portfolio als Leistungsnachweis? Oder beides in einem? Auch das war ein wichtiges Thema.

Wie schon erwähnt, hat mich besonders Thomas Häcker beeindruckt, ging dieser doch weit über die reine E-Portfolio Arbeit hinaus.

Darstellung der Leistung statt Leistungsfeststellung, Kompetenz- statt Defizitorientierung, Versagensrisikominimierung, Partizipieren der Lernenden am Kriterienraster, Lehren – Lernen – und Beurteilen als Einheit, expansives Lernen, Lernperspektiven: hier nur einige Schlüsselwörter, die Lehr- und Beurteilungsmethoden, wie sie heute noch vorwiegend pratkiziert werden, mehr als in Frage stllen.

„Children shadowing“ sollten wir alle betreibe, hat Thomas Häcker scherzhaft beim Kaffee gemeint: so könne man herausfinden, in welcher Welt die Jungendlichen leben um jugendadäquate Lernäume zu schaffen.

Das hat auch Wim Veen betrieben, wie ich gerade in seinem „Homo Zappiens“ lese. Eine Pflichtlektüre für Lehrer/innen die selbst kaum „shadowen“ können, weil sie noch keine eigenen Kinder haben, oder deren Kinder schon erwachsen sind.

Wie sonst sollten wir die „Kinder abholen wo sie sind“, wenn wir nicht wissen, wo sie sich befinden!

Barrierefrei!

April 14, 2007

justlistenZwei bis drei Mal monatlich stehe ich in einer ganz besonderen Klasse mit ganz besonderen Kindern.
Mit jungen Menschen zu arbeiten ist immer und ausnahmslos bereichernd, mit dieser Klasse aber in besonderer Weise.
Sami, Barbara, Gerhard, Daniel, ca. 13 Jahre alt, sind blind oder schwer sehbehindert und sind Schüler der Bundesblindeninstitutes im 2. Bezirk in Wien.

Diese Schule, genauso wie meine Stammschule in Meidling - ein Gymnasium - ist auch eine eLSA Schule.

Da wie dort bin ich e-Lehrerin. In erster Linie für die Lehrer/innen . Für die Schüler/innen… da brauche ich nicht mehr viel zu erklären. Sie sind fit auf der Lernplattform Moodle und nutzen Foren und Wikis wie selbstverständlich.

Derzeit arbeiten die oben erwähnten Schüler/innen gemeinsam mit einer kleinen Informatikklasse meines Gymnasiums an der Entwicklung eines Podcasts. “Just Listen” wird über den “Generation Gap”, also die Generationenunterschiede im Umgang mit diversen Kommunikationsmedien, “senden”.

Das WSIS Projket hat uns schon vor zwei Jahren zusammengeführt, als meine Schüler über den Gap zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen in der Informationsgesellschaft recherchierten.

Diesen Gap zwischen BBI und Erlgasse gibt es heute nicht mehr. Wir arbeiten gemeinsam und ohne Unterschiede an einem für uns alle interessanten Thema.
Interviews mit den Großeltern, in einem Seniorenheim, ein Nachmittag mit einem Radio-Experten aus dem ORF, online planen und Zusammenarbeiten auf unserer gemeinsamen Plattform, das Podcast mit interessanten Beiträgen füllen… das sind unsere gemeinsamen Herausforderungen.

Streng und gerecht

April 10, 2007

schule

Uni Klagenfurt: Seit Ende März arbeite ich dort mit Student/innen zum Thema: „Theorien des Lehrens und Lernens am Beispiel des E-Learnings“
Meine Student/innen erinnern sich in einem Online Forum an ihre Lieblingslehrer/innen.

Und oft lese ich: streng und gerecht.
Manchmal als Nachsatz noch: Er war sehr menschlich.
Er wusste so viel und hatte Fachkompetenz und ein großes Allgemeinwissen?

Heißt „gerecht“, er/sie hatte Respekt seinen Schülern gegenüber?
Heißt „streng“, er/sie war konsequent und sein/ihr Wort galt?
Heißt „er hatte ein großes Allgemeinwissen“, er/sie war jemand, der/die nie aufgehört hat zu lernen?
Heißt „menschlich“, er/sie war authentisch, also immer er/sie selbst und hat die Schüler/innen auch als Menschen wahrgenommen?

Mein Lieblingslehrer? Ich erinnere mich an zwei Hälften einer Lehrerin. Ich mochte sie nicht in Latein, ich liebte sie in Deutsch.
Dort ließ sie mich eher links liegen, da bewunderte sie mich. Und ich sie.
Frei nach Italo Calvino: „Die geteilte Lehrerin..“
Hatten wir sehr menschliche Lehrer? Ja, einen älteren Griechischlehrer…
Er liebte sein Fach über alles, und uns.
Was mir davon blieb? Ich kann das griechische Alphabet noch, ich liebe diese Sprache (egal ob alt oder neu) und möchte sie irgendwann einmal wirklich lernen.

XAIPETE