Vom 26. Bis 18. Juni 2011 nahm ich an der 11. Internationalen Konferenz „Migration und Kultur“ an der Universität Klagenfurt teil.
Hochrangige Wissenschaftler/innen aus vielen namhaften Universitäten und Forschungsinstitutionen aus Deutschland, der Schweiz, der Türkei und Österreich hielten beeindruckende Vorträge zum Thema.
Klagenfurt war erstmals Tagungsort dieser Konferenz. Ich empfand es als sehr positives Signal, dass diesmal die Tagung in Kärnten stattfand. Kärnten, das gegenwärtig mit der Ortstafelfrage beschäftigt ist, wo Italien , Slowenien und Österreich die sogenannte Alpenadria Region bilden, die historisch und aktuell immer wieder interkulturellen Zündstoff sorgt.
Ich möchte zwei Keynotes besonders hervorheben:
- Wolf – Ditrich Bukov (Universität Köln): Urbane Vielfalt ist Gewohnheitssache: Er bezieht sich auf europäische Städte und macht darauf aufmerksam, dass ohne Migration (Zuwanderung) Städte überhaupt nicht entstehen hätten können. Seit Jahrhunderten haben sich in unseren Städten Kompetenzen im Zusammenleben entwickelt mit Zuwanderern, auch grenzüberschreitenden, umzugehen. Heute findet Mobilität in erhöhtem Ausmaß statt. Was die Stadtbevölkerung längst schafft, wird in politischen und öffentlichen Debatten heftig als Problem diskutiert. Bukov rät vor allem dringend zu einem Perspektivenwechsel.
In seinem Buch Urbanes Zusammenleben ( Wiesbaden 2010 ) fragt Bukov: „selbst wenn wir heute zunehmend mit globalen Migrationsprozessen zu tun haben, waren (früher) Differenzen und andere mit Mobilität zusammenhängende Effekte weniger bedeutsam“. … und der stellt fest: „Die Bedeutsamkeit ist weniger entfernungs- und abstandsabhängig, sondern eher „konjunkturabhängig.““
In diesem Zusammenhang möchte ich dieses Buch unbedingt empfehlen. - Ingrid Gogolin (ex-Kollegin von Prof. Inci Dirim an der Universität Hamburg): Migration und Sprachenvielfalt. Sprachenvielfalt ist ein Minenfeld. Nationalität hat keinen Zusammenhang mit Sprache, doch hindert uns diese historisch gesehen einmal sinnvolle, aber in der Gegenwart kontraproduktive Einstellung, dass das eine Einheit sein müsste, an einem leidenschaftslosen Umgang mit Vielfalt.
Heute können wir von einer „Superdiversity“ (Steven Vertovec, 2006) sprechen, die sprachliche Textur wird immer größer. Leider fehlt es in unserem Kulturraum an fundierten Sprachstandserhebungen (die fanden in „exotischen“ Ländern längst statt.) Multiple Herkunftssprachen sind immer häufiger.
Aus der Diskussion: Natürlich sollen Kinder in Deutschland und Österreich so schnell wie möglich gut Deutsch lernen, damit ihnen alle Bildungswege offen stehen. Vielsprachigkeit zu unterstützen sollte aber ein wichtiges Anliegen der Schulen sein. Das Argument, dass das perfekte Erlernen einer Sprache Aggressionen und Gewalt, aus Mangel sich emotionell auszudrücken, verhindert stimmt so nicht ganz.
Beispiel (aus dem Publikum): Warum gab es dann Unruhen in den Banlieus(Paris), dort sprechen die Zuwanderer aus dem Magreb bestens Französisch. Sprachenvielfalt ist ein Wert…
Projekt: Lima : www.lima.uni-hamburg.de Vielsprachigkeitshotline: lima.lama@uni-hamburg.de
Juli 5, 2011 um 21:44 |
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