3D Welten – wie sie für unsere Jugendlichen aus der Spielewelt selbstverständlich sind – werden auch für den Unterricht immer interessanter. Im Rahmen eines IMST Projektes testen wir, eine Klasse des Gymnasiums Erlgasse/Wien und eine Klasse des ITEF Isernia (Handelsakademie, Tourismus) , die Möglichkeiten von 3D Lernräumen im länderübergreifenden Sprachunterricht.
Seit einigen Jahren arbeiten meine Italienischklassen mit Deutschklassen in Isernia (Molise, Italien) in diversen und auch schon preisgekrönten eTwinningprojekten zusammen.
Die Schüler/innen treffen sich auf der Lernplattform Moodle, in Chats, Foren, in Facebookgruppen und Wikis. Abgesehen von einer großen Zahl kooperativer und kollaborativer eTivities wurden u.a. gemeinsam ein Blog und ein Podcast erstellt. Reale Treffen haben immer wieder in Wien und in Isernia stattgefunden.
Der große Vorteil, mit reellen Partnern auch online zu kommunizieren, liegt auf der Hand. Die Weiterentwicklung der digitalen Medien vor allem im 3D Bereich sollten dies noch mehr erleichtern.
Schon vor einigen Jahren hat mich die Idee, in Second Life Lernwelten anzubieten, begeistert. Second Life ist aber erst für Menschen über 16 zugänglich, die Second Life Version für 13-16 Jährige darf ich nicht betreten.
Seit zwei Jahren nutzen wir im Rahmen eines Comeniusprojektes Active Worlds ® , eine 3D Welt, wo Schüler/innen auch selbst modellieren können. Auf diesem Umweg bin ich auf Klaus Hammermüller und Gerhilde Meissl-Egghart gestoßen, die in ihrer Talkademy u.a. Lernszenarien in 3D Lernwelten, wie z.B. im Second Life und Open Sim und ähnlichen Welten (dahinter liegt die gleiche Software), anbieten und entwickeln.
Nun gibt es wirklich eine virtuelle Welt für unsere Schüler/innen aus Isernia und Wien, wo sie sich mit ihren Avataren treffen können: Die DigiSchool.
Anfang Dezember schulte Klaus meine Schüler/innen in der Erlgasse ein. Die Anfangshürden der Installation, Freischaltung bestimmter Ports, das Registrieren der Nutzer und diverse Einstellungen konnten schon im Vorfeld erfolgreich mit Unterstützung unseres IKT Kustoden Martin Berger gemeistert werden. Die Schüler/innen schlüpften schnell in Ihre Avatare, gestalteten diese mit Hingabe – Körper- und Gesichstform, Haare, Augen, Schminken, Kleidung… Vor allem die Mädchen hatten viel Spaß daran. Die Burschen waren bald auf Erkundungstour -gehend, laufend, fliegend. Ein Labyrinth wurde erkundet, Teleportfunktionen wurden erprobt, miteinander sprechen, chatten, gestikulieren. Für die meisten Jugendlichen ist das alles selbstverständlich.
Vom 15. – 18. Dezember waren Klaus Hammermüller und ich in unserer Partnerschule in Isernia und auch dort waren die Schülerinnen mit ihrer Lehrerin Sandra Marolla mit Begeisterung bei der Sache.
Ab Jänner wird es ernst: Bei einem ersten Treffen werden zwei gemischtsprachige Teams mit jeweils fünf Personen gebildet. Ähnlich wie bei „Herzblatt“ werden die Teammitglieder von den Teamleitern ausgewählt.
Dieser „Event“ findet in der Digiworld (synchrone, virtuelle Handlungsbühne) statt, wird aber auf der Lernplattform (asynchron in Foren und Wikis auf Moode) und innerhalb Facebookgruppe von den ganzen Klassen vorbereitet.
Die beiden Teams, mit allen Klassenkameraden als Unterstützung im Hintergrund, werden in der Folge länderübergreifend ein Projekt realisieren: Die Teams sind Tourismuswerbefachleute und gestalten eine Präsentation, eine Werbeveranstaltung für ihre Region (Wien, Molise) Beim Treffen in der Digischool im April werden die Ergebnisse allen Schüler/innen und den Lehrer/innen, also einer strengen Jury
, präsentiert. Das Siegerteam erhält einen Preis, der beim reellen Treffen im kommenden Schuljahr einzulösen ist.
Welche Kompetenzen sollten – im Idealfall – geschult werden: Sprache, interkulturelle Kommunkation, Kollaboration und Kooperation , Projektmanagement:
(1.) Anwendung der Zielsprache (Deutsch bzw. Italienisch im Theaterstück),
(2.) Analyse, Reflexion und Interpretation der Inhalte aus sprachlicher, dramaturgischer und wirtschaftlicher Sicht (Erfolg bei Produktion und beim Zielpuplikum)
(3.) Erleben der Arbeitssprache in der internationalen Zusammenarbeit (Englisch bzw. Italienisch)
(4.) Aufbau einer interkulturellen Sensitivität und Erfolg in internationaler Zusammenarbeit
(5.) Angewandtes Projektmanagement für die Umsetzung sowie Anwendung von Methoden zur kreativen Gestaltung der Inhalte
(6.) Umgang mit modernen IT Anwendungen (3D Räume, Social Networks)
(7.) Schaffung von für das Zielpublikum attraktiven Medieninhalten; Generierung und Verarbeitung von Feedback
(8.) Organisation und Durchführung der Events des Handlungsrahmens (Aufführung, Reportagen, etc.)
Unsere IMST Forschungsfrage:
Da die Schüler/innen trotz des Angebot von sozialen Netzwerken bzw. Lernplattformen nicht wirklich rege miteinander kommunizieren, fragen wir uns, ob das Schlüpfen in einen Avatar und die Anforderung gemeinsam, länderübergreifend und im Wettbewerb ein Projekt durchzuführen, die Kommunikation „intrinsisch motiviert“ fördert.